Bargeld-Messies – Das Horten von Bargeld im Haushalt

Eine besondere Form von Messieverhalten ist in immer mehr deutschen Haushalten zu Hause: Das Horten von Bargeld in der eigenen Wohnung. Statistisch gesehen hatte 2013 jeder Deutsche 1.300 EUR zu Hause. Heute (2016) sind es 1.800 EUR (Quelle: Welt.de: Warum die Deutschen Milliarden in bar zu Hause horten). Die Bargeld-Studie des Versicherungsportals Knip hat aufgrund einer Befragung von 1080 Verbrauchern 1.115 EUR verstecktes Bargeld als Durchschnitt errechnet.

Natürlich ist es normal, wenn Sie eine gewisse Summe Bargeld im Haus haben. In der besagten Bargeld-Studie antworteten 42% auf die Frage: „Bewahren Sie größere Mengen Bargeld zuhause auf, mindestens jedoch 200 Euro?“ mit „Ja.“

Nun werden Sie sagen: Wenn ich mehr als 200 EUR zu Hause habe, dann bin ich doch kein Messie! Nun ja, es kommt darauf an … In Messies, Messieverhalten und Messie-Syndrom haben wir festgestellt, dass ein Messie jemand ist, der durch einen Mangel an Ordnung oder Sauberkeit nicht ganz unbedeutende Probleme bekommt. Dabei kann ein Mangel an Ordnung und Sauberkeit auch darin bestehen, dass der Lebensraum von Gegenständen blockiert wird, dass er nicht von Unnützem „sauber“ gehalten wird.

Bargeld-Horten ist kein Hygiene-Problem

„Pecunia non olet – Geld stinkt nicht“ wussten schon die Römer seit der Erhebung einer Latrinensteuer durch Kaiser Vespasian. Aber was die Römer nicht wussten: Bargeld ist voller Keime. Diese stellen regelmäßig keine Gefahr für gesunde Menschen dar. So zumindest der Leiter der Hygienelabors im Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Essen, Dr. Frank Mosel, gegenüber der Apothekenrundschau. Er ergänzt: „Trotzdem würde ich dringend davon abraten, Geld abzulecken“. Man kann den geringen Gesundheitsgefahren durch Bargeld nicht entkommen, weil sich die gleichen Keime auch auf den Kartenlesegeräten befinden. Deshalb wird das Horten von Bargeld nicht wegen hygienischer Aspekte zu einem Messieverhalten. Es sei denn, Sie verstecken das Geld in der Toilettenschüssel.

Probleme des Bargeld-Hortens

Zu viel Bargeld im Haus bereitet ganz andere Probleme. Bei einem Einbruch ist gleich eine größere Summe pfutsch. Das ist mehrfach problematisch:

Um einen Einbruch zu verhindern, müssen Sie besondere Sicherungen ergreifen. Schließlich wird ca. alle drei Minuten in Deutschland eine Wohnung aufgebrochen. Einen Safe kaufen? Das ist teuer. Er sollte fest eingebaut und verankert werden oder mindestens 1000 Kilogramm wiegen, damit er nicht weggetragen werden kann. Fühlen Sie sich sicherer bei dem Gedanken, dass ein Einbrecher mit der Pistole in der Hand Sie zwingen könnte, den 1000 Kilo-Safe zu öffnen?

Glauben Sie das perfekte Versteck gefunden zu haben? Laut der Knip-Studie sind das die häufigsten Verstecke:

  1. Kühlschrank (24%)
  2. Kleiderschrank (11%)
  3. Bett/Matratze (10%)
  4. Vorratsdose/Küche (9%)
  5. Spülkasten/WC (7%)
  6. Tresor (6%)
  7. Spardose (5%)
  8. Schuhschrank (4%)
  9. Schmuckdose (2%)

Ist Ihr Versteck auch dabei? Keine Sorge! Einbrecher kennen diese Liste auch. Sie haben ein anderes Versteck? Backofen, Blumenvase, unterm Teppich, im Bücherregal? Wenn sie genügend Zeit haben, finden Einbrecher jedes Versteck.

Manchmal ist ein Versteck so gut, dass man es vergisst, obwohl man sich vorgenommen hat, das Versteck nicht zu vergessen. Das hat mehrere Vorteile. Findet ein Einbrecher das Versteck, merken Sie das nicht. Sie können das Geld auch nicht für unnütze Dinge ausgeben. Und Ihre Nachkommen werden sich vielleicht über einen überraschenden Fund freuen. Noch mehr freut sich der Bauarbeiter, der auf einen kleinen Schatz hinter der Wandverkleidung stößt. Das Vergessen eines Bargeldverstecks hat auch seine Nachteile. Paradebeispiel für vergessene Verstecke sind unbenutzte Rauchabzüge. Dann macht man sich doch mal wieder ein Feuerchen und die Scheine verrauchen im Schornstein. Schlimm ist außerdem der quälende Gedanke: Irgendwo habe ich es versteckt, irgendwo muss es doch sein …

Das Geld im Garten vergraben? Wie fühlt sich das an, dass Ihre Altersvorsorge irgendwo da draußen liegt? Hat auch wirklich der Nachbar nichts gesehen? Haben Sie sich die Stelle auch gut gemerkt? Wissen eigentlich Ihre Kinder von der Stelle?

Manch einer baut sein Grundstück zur Festung aus mit Sicherheitszaun, Gittern vor den Fenstern, Sicherheitsschlösser, Alarmanlage und Videoüberwachung. Hier wird das Gefühl von Sicherheit mit einem Gefühl von Gefängnis erkauft.

Unabhängig von allen individuellen Problemen, die das Bargeld-Horten zu Hause mit sich bringt: Je mehr Menschen größere Summen zu Hause horten, desto größer ist der Anreiz für Einbrecher. Von den volkswirtschaftlichen Problemen des Bargeld-Hortens soll hier keine Rede sein …

Fazit: Viel Geld im Haus bringt viele Sorgen. Und sich Sorgen durch Horten ins Haus zu holen, kennzeichnet den Messie.

Wann ist Geld zu Hause zu viel Geld zu Hause?

Zurück zu den 200 EUR vom Anfang dieses Beitrages. Natürlich sind 200 EUR Bargeld im Haus keine Schwelle von Messieverhalten. Die Schwelle liegt dort, wo Sie mehr Geld zu Hause haben als Sie zeitnah ausgeben, dort, wo Sie Geld für später zu Hause aufbewahren.

Wie weit ist es zu Ihrer nächsten Bank? Wenn Sie so viel Bargeld im Haus haben, dass Sie die Bargeldaufwendungen bis zu Ihrem nächsten Bank(automaten)besuch bestreiten können, sind Sie sicherlich kein Bargeld-Messie. Schlagen Sie auch noch einen bescheidenen Betrag für Unvorhergesehenes drauf. Die nötige Summe ist von Mensch zu Mensch verschieden. Zahlt man lieber mit Bargeld als mit Karte, benötigt man größere Summen als ein leidenschaftlicher Kartenzahler. Und wer Topverdiener ist und einen aufwendigen Lebensstil pflegt, wird mehr Bargeld im Haus haben, als Menschen, die in bescheideneren Verhältnissen leben.

Gründe für Bargeld-Horten im Haushalt

Warum horten Menschen Bargeld im Haushalt? Das kann verschiedene Ursachen haben:

  • Manche Menschen trauen den Banken nicht: Es gibt seit je her Menschen, die Banken nicht trauen, mit dem ihnen anvertrauten Geld verantwortungsvoll umzugehen. Die Finanzkrise hat weiteren Vertrauensverlust produziert.
  • Andere wiederum haben keinen Bezug zu den Zahlen auf dem Kontoauszug. Sie müssen die Geldscheine in die Hand nehmen, sie sehen und riechen können.
  • Manche haben panische Angst, ihr Geld zu verlieren. Es unter die Matratze zu stecken und darauf zu schlafen, vermittelt ihnen das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.
  • Manche Menschen möchten verbergen, wie viel Geld sie haben. Z.B. um zu verhindern, dass jemand etwas davon abhaben möchte.
  • Und andere schließlich wollen schnell auf ihr Geld zugreifen können. Sie meinen, es würde zu lange dauern, wenn man Geld erst von der Bank holen würde.
  • In Zeiten von Nullzinsen und der Gefahr von Negativzinsen denken viele, es mache keinen Sinn mehr, Geld auf der Bank anzulegen, bzw. halten es wegen damit verbundener Gebühren für ein schlechtes Geschäft.

Dass die Gefahr, das Geld durch Einbruch oder sonst zu verlieren, bei einer Aufbewahrung im Haushalt viel größer ist, als bei einer Geldanlage bei einer Bank, wird dabei nicht kalkuliert. Und bei allem Misstrauen gegen Banken: Wenn schon viel Bargeld, dann besser doch im Schließfach! Klar, es ist auch schon mal eine Schließfachanlage ausgeraubt worden. Doch völlige Sicherheit ist eine Illusion. Sie können nur Wahrscheinlichkeiten reduzieren.

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