Kaputte-Sachen-Messies – Gute und schlechte Gründe, Kaputtes aufzuheben

Heben Sie manchmal Sachen auf, die kaputt sind? Wenn Sie nein sagen, sind Sie perfekt organisiert. Die meisten Menschen heben manchmal kaputte Sachen auf.

Vier logische Gründe, kaputte Sachen aufzuheben, und ihre Verwendung als Vorwand

Wenn Sie logisch an kaputte Sachen herangehen, dann kann es nur vier Gründe geben, kaputte Sachen aufzuheben:

  1. Sie wollen die Sache wieder reparieren.
  2. Sie wollen die Sache anderweitig nutzen, z.B. als Ersatzteillager.
  3. Sie wollen die Sache entsorgen, Sie haben aber nicht die Möglichkeit dazu.
  4. Die Sache hat einen Erinnerungswert.

Leider haben alle vier Gründe das Potential, als Vorwand zu dienen, um kaputte Sachen sinnlos aufzuheben.

Der Wille zur Reparatur

Die Sache wieder zu reparieren ist der beste Grund, eine kaputte Sache aufzuheben. Wichtige Gegenstände, die Sie täglich brauchen, werden Sie zeitnah zur Reparatur geben. Wenn Sie jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen, warten Sie mit der Reparatur nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Ist die Sache nicht so wichtig, besteht die Gefahr, dass Sie die Reparatur aufschieben und aufschieben, bis Sie die Sache irgendwann nur noch aufheben – ohne echten Willen zur Reparatur. Das wäre kein Problem, würde nicht in Ihrem Hinterkopf die ausstehende Reparatur als unerledigter Auftrag herumspuken würde. Und das raubt Ihnen ein wenig Lebensenergie. Häufen Sie unerledigte Aufträge, fließt Ihre Lebensenergie nicht nur als Rinnsal ab, sondern alsbald schon als ordentlicher Bach.

Was hilft? Setzen Sie sich ein Enddatum für die Reparatur. Kleben Sie dieses Datum auf die kaputte Sache. Wenn Sie es überschritten haben, spricht viel dafür, dass es für Sie nicht wichtig ist, die Sache zu reparieren. Dann ist die Sache wohl auch nicht wirklich wichtig für Sie und Sie sollten zusehen, dass Sie sie loswerden!

Der Wille zu anderweitiger Nutzung

Die kaputte Sache anderweitig nutzen zu wollen, ist kein schlechter Grund, diese aufzuheben. Stellen Sie einen solchen Willen bei sich fest, sollten Sie prüfen, ob er nicht ein bloßer Vorwand ist, um Messieverhalten zu rechtfertigen. Messies sind Meister, einen möglichen Zweitnutzen für kaputte Sachen zu finden. Haben Sie ein kaputtes Fahrrad, dann kann es natürlich als Ersatzteillager für andere Fahrräder dienen. Wenn Sie aber keine anderen Fahrräder haben und auch niemanden, dessen Fahrräder Sie reparieren, dann richtet sich der Wille, das kaputte Fahrrad als Ersatzteillager zu nutzen, auf ein unrealistisches Ziel und dürfte im Zweifel vorgeschoben sein, um die wahren Beweggründe zu verdecken. Messies sind übrigens auch Meister darin, einen möglichen Zweitnutzen völlig im Ungefähren zu lassen. Der zerbrochene Besenstil ist sicher noch zu irgendetwas zu gebrauchen … und sei es als Zahnstocher.

Was hilft? Heben Sie eine kaputte Sache nur dann für eine Zweitnutzung auf, wenn Sie genau wissen, wie diese Zweitnutzung konkret aussieht und wann Sie diese realisieren werden. Setzen Sie sich ein Enddatum! Und dann weg mit der Sache! Falls Sie Hemmungen haben, geben Sie die kaputte Sache doch an jemanden weiter, der wirklich etwas damit anfangen kann, z.B. eine kaputte Waschmaschine an einen Gebrauchtwaschmaschinenhändler. Das gilt natürlich auch, wenn Sie aktiv etwas für unsere Umwelt tun, die Ressourcen schonen wollen. Für die meisten kaputten Sachen gibt es Recyclingmöglichkeiten. Fragen Sie aber nicht einen Messie, ob er die Waschmaschine noch gebrauchen kann …

Fehlende Entsorgungsmöglichkeit

Der häufigste Grund, warum Menschen meinen, eine Entsorgung einer kaputten Sache sei nicht möglich, ist nicht, dass es keine Entsorgungsmöglichkeit gibt, sondern dass sie sich nicht die Zeit nehmen wollen, um das kaputte Ding wegzuschaffen. Die Deponie hat ungünstige Öffnungszeiten. Sie ist zu weit weg. Der Zeitaufwand lohnt nicht. … Alles Geschwätz! Sie schaffen das, ohne das Ding im Wald abzuladen! Unsere Entsorgungssysteme sind heutzutage so ausgebaut, dass 99,99% der üblichen Entsorgungsfälle problemlos erledigt werden können. Sammeln Sie z.B. ein Jahr lang Ihre kaputten Handys, Laptops, Ladegeräte, Kopfhörer und sonstigen Elektroschrott und freuen Sie sich, wenn Sie spüren, wie erleichtert Sie und Ihr Haushalt sind, wenn Sie alles im Kleinanlieferbereich Ihres örtlichen Entsorgungsunternehmens entsorgt haben.

Manchmal kann die Entsorgung teuer sein. Wenn Sie z.B. Sonderabfall produziert haben. Ist man ehrlich, wird man in den meisten Fällen allerdings feststellen, dass genug Geld da ist, man aber denkt, es sei Aufgabe des Staates, die Entsorgung zu finanzieren. Man will deshalb nicht einsehen für die Mühe, den ganzen Schrott zur Entsorgungsanlage zu fahren auch noch zahlen zu müssen. Interessanterweise ist Geld für die Anschaffung der Sache immer da. Geht die Sache aber kaputt und muss entsorgt werden, dann fehlt es und es gilt das Prinzip: Nach mir die Sintflut!

Dieses Prinzip findet man besonders bei Betrieben, die, wenn sie ihre Produktionsstätten einmal aufgegeben haben, diese nicht etwa beseitigen, sondern schön stehen lassen, obwohl sie nicht mehr zu gebrauchen sind. So kommt es, dass z.B. ländliche Gebiete mit Schweinestallruinen gesegnet sind. Der Staat ist natürlich selten blöd, dass er so ein Verhalten zulässt.

Die Sache hat einen Erinnerungswert

Geradezu romantisch kann es sein, kaputte Sachen wegen ihres Erinnerungswertes aufzuheben. Wenn Sie z.B. den unbrauchbar gewordenen Federkiel Ihres Urgroßvaters aufheben, mit dem er Ihrer Urgroßmutter Liebesbriefe geschrieben hat. Romantik und Erinnerungen sind legitime Gründe, etwas aufzuheben. Problematisch wird es, wenn Sie jeder kaputten Sache einen Erinnerungswert zuweisen. Zum Beispiel erinnert Sie der zerbrochene Joghurtbecher an die leckere Mahlzeit. Oder wenn der gesamte Hausrat Ihrer Urgroßeltern bei Ihnen eingelagert ist, weil sie jeder Gegenstand an sie erinnert.

Was hilft? Wählen Sie Erinnerungsstücke gezielt aus und werfen Sie den Rest weg.

Warum kaputte Dinge aufheben, ohne dass ein logischer Grund dafür vorliegt?

Wenn Sie kaputte Sachen aufheben wollen, ohne dass ernsthaft einer der aufgezeigten Gründe dafür vorliegt, dann müssen Sie einen anderen Grund dafür haben.

Seelische Ursachen

Wenn Sie grundsätzlich Probleme haben, Dinge wegzugeben und wegzuwerfen, dann gibt es seelische Ursachen dafür. Vielleicht haben Sie ein Messie-Syndrom. Und wenn Sie oder andere unter Ihrem Verhalten leiden, dann sollten Sie Hilfe suchen. Hinweise dazu finden Sie unter Messie- und Messie-Hilfe-Basics.

Verhaltensmuster aus der Steinzeit

Dass es uns manchmal schwer fällt, kaputte Dinge wegzuwerfen, kann auch eine soziobiologische Grundlage haben. Bekanntlich sind wir im Grunde noch Steinzeitmenschen. Die von den Steinzeitmenschen benutzten Werkzeuge und Waffen waren aus heutiger Sicht primitiv, überschaubar an der Zahl, aber für den Steinzeitmenschen ungeheuer wertvoll. In der Steinzeit war es nicht möglich, einfach in den Speershop zu gehen, um sich einen neuen Speer zu besorgen, wenn der alte zu Bruch ging. Man verwendete selbstverständlich die unter hohem Aufwand hergestellte Steinspitze wieder. Gegenstände, die wertvolle Materialien enthielten, wurden in der Steinzeit weitestgehend wiederverwendet. Kaputte Sachen wiederzuverwerten, hatte in der Steinzeit eine hohe Bedeutung. Insofern entspricht eine gewisse Hemmung, sich kaputter Dinge zu entledigen, steinzeitlichen Anforderungen an menschliches Verhalten. Sie entspricht aber nicht mehr den Anforderungen moderner Industriegesellschaften mit hoch arbeitsteiligen Produktions-, Entsorgungs- und Wiederverwertungsprozessen.

Lassen wir also die Steinzeit ein wenig hinter uns, und tun die kaputten Sachen dahin, wo sie hingehören …

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Ein Gedanke zu “Kaputte-Sachen-Messies – Gute und schlechte Gründe, Kaputtes aufzuheben

  1. Das kenne ich auch als ADS-Messie. ADS ist die tragträumerische Variante der tiefgreifenden Konzentrationsstörung ADHS nur halt ohne H also Hyperaktivität. Ich kenne all diese Situationen obwohl ich in der Lage bin weg zu werfen. Ich glaube eine mangelnde Entscheidungsfähigkeit gehört bei mir auch zu den Problemen die zum Hording führen.

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