Der achtsame Umgang mit Sachen: Was wir von Messies lernen können

Früher war alles besser. Wenn ein Kind etwas kaputt machte, dann gab es für gewöhnlich ein riesiges Donnerwetter von den Erwachsenen. Natürlich machte man als Kind trotzdem etwas kaputt. Aber man hatte ein schlechtes Gewissen und manchmal leuchtete sogar die rote Ampel im Kopf: Bis hierhin und keinen Schritt weiter! Heute ist es oft so, dass man, wenn ein Kind etwas kaputt macht, sagt: Ist ja nicht schlimm …“. So lernen Kinder, mit Sachen unachtsam umzugehen. Wenn etwas kaputt geht, dann wird es eben weggeworfen und etwas Neues gekauft.

Diese Geisteshaltung durchzieht unsere ganze Gesellschaft: Gebäude werden nicht mehr für die Ewigkeit errichtet. Es genügt, wenn sie die nächsten dreißig Jahre halten. Ist ein Auto defekt, sucht der Mechaniker nicht mehr mühsam nach der Ursache. Es genügt, wenn der Fehlerspeicher ausgelesen wird und dann die gesamte Lenksäule ausgetauscht wird – anstatt nur der defekte Lenksensor. Joghurtbecher sollen für drei bis vier Wochen den Joghurt aufbewahren und wandern dann in den Müll.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Diese ist Produkt unserer Konsumorientierung, der Konsumgesellschaft und liegt ganz im Interesse der Wirtschaft. Dabei ist es eigentlich seltsam: Eine Gesellschaft, die so viel Wert auf Konsum legt, gibt so wenig Acht auf das, was sie konsumiert und wie sie konsumiert.

Ganz anders der Messie: Sorgsam hegt er seine Joghurtbecher und hebt sie auf für die Ewigkeit. Liebevoll sammelt er jede Schraube – unklar ist, ob in der Hoffnung, dass er sie noch einmal gebrauchen kann, oder in der Angst, dass er sie gebrauchen könnte, wenn er sie wegwirft. Jedes Ding bekommt seinen Platz, auch wenn der Messie mal den Überblick verliert. Und für jedes Ding findet der Messie eine potentielle Verwendungsmöglichkeit, auch wenn er diese nie realisiert.

Die aktuelle Konsumhaltung führt dazu, dass Dinge in immer kürzeren Zyklen und in immer größeren Mengen verbraucht werden. Die Haltung eines Messies führt dazu, dass er Dinge über immer längere Zyklen und in immer größer werdenden Mengen aufbewahrt.

Während die Haltung eines Messies im Ergebnis dazu führt, dass er sich in der Menge der Dinge verliert, von ihr geradezu aufgesogen wird, führt die Haltung der aktuellen Konsumgesellschaft dazu, dass sich die Menschheit durch den zunehmenden Ressourcenverbrauch letztlich den Ast absägt, auf dem sie sitzt.

Beide Haltungen haben also schlimme Folgen. Die Mehrheitsgesellschaft hält die Messies (zu Recht) für krank und sieht nicht, dass ihr eigenes Verhalten nicht weniger krank ist. Der Welt wäre sehr geholfen, wenn die Mehrheitsgesellschaft etwas von den Messies lernen würde: Den achtsamen Umgang mit Sachen. Mehr aber auch nicht.

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